Mit Gott ins Kino

Es ist mehr in der Wirklichkeit zu finden, als wir oft denken. Dazu muss man sie aber zuweilen auspressen wie eine Orange. Der Dichter heißt ja bekanntlich so, weil er die Wirklichkeit auf ein paar Verse verdichtet, sodass etwas herausfließt, das man vorher nicht ohne weiteres sehen konnte. Filme können dass auch. Wenn sie gut sind, zeigen sie die Wirklichkeit so, dass man sie neu sieht. Womöglich zeigt sich sogar etwas von Gott.
Deswegen gehen wir jetzt ins Kino und zeigen Filme. Und alle sind dazu herzlich eingeladen, egal was sie glauben und wozu Sie sich bekennen.
Der Eintritt ist kostenlos. 

Wann?
19. September 2018

Wo?
Gronauer Lichtspiele
Bahnhofstraße 11
31028 Gronau

Welcher Film wird gezeigt?
wird rechtzeitig bekanntgegeben

Welche wir bisher gesehen haben?

Babettes Fest (Dänemark 1987)

Am 17. Mai 2017 zeigten wir den ersten Film, der es je in eine päpstliche Enzyklika geschafft hat: Babettes Fest (Dänemark 1987)  

Es ist ein Film über die Freude, die aus der Bereitschaft kommt, andere zu beschenken, sagt Papst Franziskus. Es ist auch ein Film über gutes Essen und Versöhnung, über Schönheit und Opfer, über Abendmahl und Eucharistie. Der Film dauert 1 Stunde und 42 Minuten. Zuvor gibt es eine kleine Einführung als Sehhilfe. Wir freuen uns auf Sie!

Das Lied der Bernadette (USA 1943)

Fast wie ein Krimi: "Das Lied von Bernadette" 

Den Film hätte ich mir alleine nicht angeschaut. Zu viele Vorurteile. Darum finde ich die Reihe "Mit Gott ins Kino" so hilfreich: wenn Pfarrer Wirz in der Einführung den Blick ein bisschen weitet und lenkt und wenn ich den Film mit allen anderen im Kinosaal zusammen schaue, dann geht es leichter. Der Film handelt von Bernadette Soubirous, dem 14-jährigen Mädchen aus Lourdes, dem eines Tages in einer Grotte nahe der stinkenden Müllhalde eine schöne Dame in einem weißen Kleid erscheint. Die Dame spricht zu ihr und trägt ihr auf, in den nächsten 15 Tagen wiederzukommen. Außer ihr kann niemand diese Dame sehen. Bernadettes Familie glaubt ihr nicht und verbietet ihr, zur Grotte zu gehen. Die Stadtbeamten untersuchen sie auf ihren Geisteszustand, der Pfarrer schickt sie fort. Hat Bernadette eine Psychose, lügt sie, will sie Aufmerksamkeit erregen? "Der Film hat was von einem Krimi", findet Pfarrer Wirz. "Was darf ich davon halten, was da berichtet ist? Die Menschen zweifeln, forschen, zweifeln wieder." Der Film ist auch nach über 50 Jahren noch frisch und stark, weil die Geschichte gut erzählt ist und heute genauso geschehen könnte. Alle im Saal stöhnten auf, als die verbitterte Nonne auftauchte, freuten sich über den süßen kleinen Jungen, der auf seinen dicken Beinchen laufen lernte, und seufzten, als der junge Mann sich mit Blütenzweigen von Bernadette verabschiedete. Ein Mann sagt im Film: "Wenn du von Gott nichts erwartest, kannst du auch nicht enttäuscht werden." Heute ist Bernadette heiliggesprochen und tausende pilgern jedes Jahr nach Lourdes, darunter viele Kranke. Manche werden geheilt, viele kehren mit neuer Hoffnung zurück. Vorlage für den Film war der gleichnamige Ro- man von Franz Werfel. Was veranlasste einen Juden, über Lourdes zu schreiben? Er versteckte sich dort mehrere Wochen auf der Flucht vor den Nazis und legte das Gelübte ab, einen Roman über Bernadette Soubirous zu schreiben, sollte er die Flucht überleben. Der Roman erschien 1941, wurde 1943 in den USA verfilmt und mit mehreren Oscars ausgezeichnet, unter anderem für die beste Hauptdarstellerin. Die ist es auch, die in ihrer Darstellung des jungen Mädchens im Gedächtnis bleibt. Ihr Gesicht strahlt von einer Schönheit, die Spiegel dessen ist, was sie gesehen hat. Und das weitgehend frei von Kitsch. Pfarrer Wirz zitiert Franz Werfel: "Ich habe es gewagt, das Lied der Bernadette zu singen, obwohl ich kein Katholik bin, sondern Jude. Den Mut zu diesem Unternehmen gab mir ein weit älteres und viel unbewußteres Gelübte.
Schon in den Tagen, da ich meine ersten Verse schrieb, hatte ich mir zugeschworen, immer und überall durch meine Schriften zu verherrlichen das göttliche Geheimnis und die menschliche Heiligkeit – des Zeitalters ungeachtet, das sich mit Spott, Ingrimm und Gleichgültigkeit abkehrt von diesen letzten Werten unseres Lebens." 

Der neunte Tag (Deutschland 2004)

Das von Volker Schlöndorff inszenierte Holocaust-Drama handelt von dem luxemburgischen, katholischen Priester Abbe Henri Kremer, der im Konzentrationslager Dachau inhaftiert ist. Grundlage für den Film ist die autobiographische Erzählung „Pfarrerblock 25487“ vom Pfarrer Jean Bernard, der 1941 bis 1942 in Dachau interniert war. Die Geschichte des Neunten Tages ist aber frei erfunden und behandelt wie in vielen Schlöndorff-Filmen den Kampf zwischen Gut und Böse und die Versuchungen, die Menschen zu bestehen haben.
Zum Inhalt: Abbe Kremer, hervoragend gespielt von Ulrich Matthes, wird nach schrecklichen Monaten im KZ Dachau für neun Tage beurlaubt. Er darf zu seiner Familie, wird aber immer wieder zu Gesprächen mit dem jungen Gestapo-Chef Gebhardt beordert, der ihm den wahren Grund seines Urlaubes mitteilt. Er soll zu den Nazis überlaufen und auch seinen Bischof zur Kooperation überreden. Eine Entscheidung dagegen würden seine Familie und seine Mitbrüder im sogenannten Pfarrerblock in Dachau büßen müssen. Die Dialoge zwischen dem ausgemergelten und dennoch starken Priester und dem kalt und berechnend handelnden Handlanger der Nazis Gebhardt sind intensiv. Der von August Diehl gespielte Gestapo-Chef, verunsichert durch seine Treue zur Nazi-Ideologie und Erlebnissen bei einem Aufenthalt in einem KZ in Osteuropa, erinnert teilweise in seinen Versuchen, den Priester zu überzeugen an Goethes Mephisto. Letztendlich kehrt Abbe Kremer am neunten Tag ins Lager Dachau zurück, ohne zum „Judas“ geworden zu sein. Es ist trotz des geschichtlichen Hintergrundes ein zeitloser Film über den Glauben und die Versuchung , der die über 50 Besucher des Kinoabends sichtlich beeindruckte.

 

 

 

 Anfahrt